Tara-Preisträgerin Pascale Vayer im Interview

Tara-Preisträgerin Pascale Vayer im Interview mit der Gesellschaft für Ethik:

1. Sie haben am 1. Dezember 2012 einen Preis in der Kategorie „Soziales Engagement International“ gewonnen, was bedeutet dieser Preis für Sie?

Ich bin sehr dankbar. Ich habe den Preis im Namen des Vereins genommen und teile ihn mit allen Betreuerinnen und Betreuern, die die betroffenen Kinder unterstützen.

2. Sie führen Ihren Verein „kleine herzen“ mit unglaublicher Energie und Engagement, woher nehmen Sie Ihre Motivation?

Ich habe das Gefühl, dass mich eine unsichtbare Hand auf meinem Weg begleitet und mich führt. Ich bekomme positive Energie durch die Kinder und die Menschen, die mich unterstützen.

3. Was ist Ethik für Sie?

Die Anerkennung, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist und das Recht hat, glücklich zu sein sowie dass jeder von uns den anderen mit Respekt begegnen sollte.

4. Am 22. Februar 2012 haben Sie bei einer Festveranstaltung der Gesellschaft für Ethik in der Akademie der Wissenschaften Malak Jan Nemati als Vorbild genannt, inwiefern inspiriert Sie Malak Jan Nemati in Ihrer Arbeit?

Ihre Maximen inspirieren mich. Beispielsweise folgende: „Das Leben ist nicht kurz, nur unsere Tage sind gezählt. Es ist wie mit der Rose. Man muss die Zeit nutzen und sich in vollem Maße und mit Genuss an ihr erfreuen.“ Für mich ist Malak Jan eine sehr starke Frau. Sie hat sich für die Rechte anderer eingesetzt. Ich habe viel von ihr gelernt. Ich möchte dem Weg folgen, dem Malak Jan gefolgt ist. Meine Prinzipien sind ihre Prinzipien und deshalb ist sie mein Vorbild. Sie hat mir beigebracht, dass ich wahres Glück erst dann spüren kann, wenn ich anderen diene, ohne etwas zu erwarten, nur aus menschlichem Pflichtgefühl. Es ist eine universale Pflicht, anderen zu helfen. Malak Jan hat dies selbst ein Leben lang praktiziert.

5. Sie erwähnten, dass anderen zu helfen eine universale Pflicht sei. Wie können wir ethische Werte wie Empathie und Altruismus in uns aktivieren?

Ich glaube, altruistisch zu handeln, wie es Malak Jan gemacht hat, können wir nur verstehen, wenn wir versuchen, es zu praktizieren. Was wichtig ist und Malak Jan betont, ist, dass wir achtsam sein und im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Weg finden sollen, um für die anderen da zu sein. Empathie ist, wenn ich versuche, mich in die Lage der anderen Person hineinzuversetzen und danach handle. Ich glaube, ethische Werte können wir in uns aktivieren, indem wir zuerst auf unsere Intentionen achtgeben. Unsere Intention soll sein, anderen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu dienen, nur aus Pflichtgefühl. Wenn wir so vorgehen, können wir erkennen, dass eigentlich viele Möglichkeiten vor uns liegen. Sogar ein negatives Erlebnis oder wenn ein Projekt nicht so läuft, wie wir es uns wünschen, ist es eine Chance, daraus zu lernen, es ist eine Erfahrung, und jede Erfahrung führt zu einer Bewusstseinssteigerung. Daher sollen wir keine Angst haben, Fehler zu machen. Malak Jan sagt: „Wir müssen aus allem, was uns zustößt, eine Lehre ziehen.“ Und: „Um ein Ziel zu erreichen, ob es nun materiell oder spirituell ist, muss man kämpfen.

6. Sie sind Mutter von 3 adoptierten Kindern und meinen oft, dass Sie durch Ihre Arbeit „eigentlich 600 Kinder haben“ und sich sehr glücklich schätzen dafür. Welchen Rat können Sie Müttern und Vätern für die Erziehung geben? Gibt es Ihrer Meinung nach etwas wie „ethische Rezepte“ dafür?

Unseren Kindern Liebe und Geborgenheit zu vermitteln. Mutter Theresa sagt: „Einsamkeit und das Gefühl unerwünscht zu sein, ist die schlimmste Armut.“ Wenn jeder von uns Liebe bekommen würde, würde die Welt sicher friedlicher aussehen. Mit Liebe meine ich, die Kinder auf dem richtigen Weg zu begleiten, ihnen wahre Werte zu vermitteln. Ein ethisches Rezept gibt es: Ich zitiere hier Ostad Elahi, den wahren Humanisten der heutigen Zeit. Er hat nach 12 Jahren Askese festgestellt, dass man, um sich ethische Werte anzueignen, diese inmitten der Gesellschaft praktizieren muss. Er hat diese als Richter in sein Leben integriert und praktiziert. Er sagte: „Wer sein Kind gut erzieht, kann auch ein Land regieren.“ Und das ist, wenn wir als Erwachsene die ethischen Werte selbst praktizieren und Vorbilder für unsere Kinder werden.

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