Als das Wünschen noch geholfen hat

Der Titel des Vortrags klingt märchenhaft – und die Sache beginnt auch wirklich mit einem Märchen: „Der Arme und der Reiche“. Die Brüder Grimm erzählen da von zweierlei Arten des Wünschens. Mit der einen Art kann man vielleicht Glück haben, mit der anderen hat man vielleicht weniger Glück, sogar großes Pech. Im Märchen besteht ein Unterschied zwischen dem Wunsch, der sich den natürlichen Gegebenheiten anpasst oder fügt, und jenem Wunsch, der alles Sinnen und Trachten dominiert und schließlich zum Vater des einzigen Gedanken wird: Es muss klappen!. Das Glück ist dann nicht mehr ein Ding der Möglichkeit, sondern ein Ding der Notwendigkeit. Koste es, was es wolle!

Die Sache geht weiter mit der Erzeugung menschlichen Lebens „in vitro“. Anfangs eine eher komische Geschichte. Paracelsus zeigt, wie man den Homunkulus macht. Das ist die eine Art, dem Glück nachzuhelfen, das heißt, die Natur zu überlisten. Aber die Natur lässt sich nicht zwingen. Das Fleisch (‚Mutter’‚mater’, ‚Matrix’, ‚Materie’) ist stärker als jeder Wille. Deshalb scheitert das Experiment, ein Kümmerling kommt zustande. Paracelsus verweist jedoch darüber hinaus auf eine andere Art der Naturbeherrschung,: Es muss nicht klappen! Auch die neueste Wissenschaft braucht Glück. Und wenn sie in der Tat immer zügiger fortschreitet, immer effizienter arbeitet, ist sie doch selbst auf die Winke des Schicksals oder irgendeiner Gottheit angewiesen. Ganz wie in dem Märchen der Brüder Grimm.

Ein paar Fragen bleiben übrig: Was wird aus dem Wunsch, der erfüllt ist? Verschwindet er? Treibt er sich herum als Reminiszenz und wehmütige Erinnerung, während die Kinder in den Alltag hineinwachsen?

Geboren 1943 in Wels (OÖ), ist Univ.-Prof. Dr. Manfred Moser heute stellvertretender Institutsvorstand des Instituts für Philosophie und Gruppendynamik an der Universität Klagenfurt, sowie Vorsitzender der Studienkommission Doktoratsstudien ebendort. Professor Moser lehrt Sprachphilosophie und Rhetorik und seine Publikationen umfassen Philosophie, Semiotik, Linguistik, Kunstwissenschaft, Architektur und Literatur.
Bücher: „Schönheit, Schnitt und Narbe. Das ästhetische Ideal der plastischen Chirurgie“, Stuttgart (Patricia Schwarz) 1988; „Schreiben ohne Ende. Letzte Texte zu Robert Musil. Essays“, Wien (Sonderzahl) 1992; „Second Land. Ein Heimatroman“, Salzburg (Residenz) 1992; „Baustellen. Sieben Begehungen“ (mit Wilhelm Moser), Wien (Sonderzahl) 1993; „Alpen“ (ed. mit Tomas Hoke), Wien (Sonderzahl) 1994; Texte in „Stone“ (von Wilhelm Moser), London (Art Books International) 2002

Produktionen: „Mai 86. Philosophie auf der Bühne“ (mit K. Ratschiller) = „Kunststücke“ (ORF) 1986; „Fluchten. Vom Verschwinden der sicheren Orte“ (mit S. Bhagwati and Unikum), Klagenfurt 1992, Opera buffa „Hier ist es schön“ (mit B. Strobl, G. Tschachler-Nagy, P. und R. Putz, Caroline), Klagenfurt und Villach (Spectrum) 1995; „Echo“ (Istituto Italiano degli Studi Philosophici di Napoli und Academia, Venezia, mit A. Gaggl, W. Gaube, T. Hoke, S. Mosshammer, B. Strobl), Klagenfurt und Venice 1998, „Sammeln“ (mit Universität f. Angew. Kunst Wien, Universität Klagenfurt und Unikum), Wien u. Launsdorf/Hochosterwitz 2001.

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