Musik: Erforschung eines universalen Mediums (Teil 3)

Musik existierte und existiert in jeder Zivilisation, und es scheint schwierig, jemanden zu finden, der Musik nicht schätzt. Schöner als jede andere Sprache, ist Musik ein universales Medium, um unbeschreibliche Gefühle des Menschen auszudrücken. Sie transzendiert jede kulturelle oder religiöse Grenze, vermag Menschen jeglichen Hintergrundes und jeglicher Herkunft zu vereinen und bringt eine höhere, metaphysische Dimension in uns zum Vorschein. Musik ist aber noch mehr als das; die Anwendung der modernen „Musiktherapie“ in der Medizin existiert beispielsweise bereits seit Jahrhunderten; die Wirkung von Mozarts Musik auf die Intelligenz Ungeborener ist heute wissenschaftlich belegt.

In dieser spannenden Vortragsreihe geben Experten Einblick in dieses vielschichtige Thema; vom historischen Hintergrund über wissenschaftliche Aspekte der Physiologie des Musikhörens und der Psychoakustik ist der Bogen weit gespannt. Anhand praktischer Beispiele erfährt der Musikliebhaber, worauf es beim „Konsumieren“ eines Musikstück ankommt und wie er vom Ergebnis tiefgehend profitieren kann.

Im Speziellen wird auf die besondere und in ihrer Form einzigartige Musik von Ostad Elahi eingegangen, eines außergewöhnlichen Musikers und unvergleichlichen Meisters des Tanburs (einer persischen Laute). Ostad Elahi zufolge ist Musik eine Quelle zur Ernährung und Erfrischung der Seele. Die Auswirkung der Musik hängt von mehreren Faktoren ab: Der ursprünglichen Natur der Seele des Zuhörers, seiner Erziehung, von Ort und Zeit, der Musikquelle und vor allem vom Komponisten und vom Künstler.
Ostad Elahi: „Partikeln strömen in Wellen vom Klang des Tanburs aus, jede Welle bildet eine eigene Szene. Somit, wenn wir die Augen schliessen und uns auf den Klang konzentrieren, laufen diese Szenen vor unseren Augen wie Bilder auf einer Filmleinwand ab. Jede Melodie ruft eine spezifische Szene hervor. Wenn ich mein Instrument halte, fühle ich mich nicht, als würde ich selbst spielen; es ist eher so, dass die Melodien auf natürliche Weise von diesen Szenen strömen. Das ist der Grund, weshalb ich nie ein Stück auf dieselbe Art und Weise spiele, auch wenn ich es tausend Mal wiederhole.“
Sakrale Musik belebt den Geist, stärkt spirituelle Liebe und hilft, Probleme und Schwierigkeiten zu lösen. In diesem Zusammenhang meint Ostad Elahi: „In einer spirituellen Absicht verwendet, wird die Musik uns mit dem Göttlichen verbinden, denn die Musik ist verbunden mit der Seele und die Seele mit Gott. Bedauernswerterweise ist sie nur noch zum Mittel der Befriedigung illusorischer Liebhaberei geworden.“
Zeitzeugen, die die Gelegenheit hatten, Ostad Elahi spielen zu hören, waren tiefgehend berührt von seiner Musik:

Sir Yehudi Menuhin, Musiker:
„Diesem unglaublichen Musiker gelang es, eine Spannung und Konzentration zu halten, die ich niemals für möglich gehalten hätte im limitierten Intervall einer Quart oder Quint… Es schien mir außergewöhnlich, daß das musikalische Interesse von jemandem im Rahmen eines solch schmalen Intervalls bewahrt werden kann. Niemals hatte ich so etwas gehört; es ist die größte Erfahrung dieser Art, die ich je gemacht hatte. Niemals hatte ich ein Musikstück gehört, das für mindestens eine halbe Stunde im Intervall einer Quart blieb! Es war eine sehr feine und intensive Musik, aber auch sehr präzise und rein. Ich konnte nicht glauben, was ich hörte. Es war eine veredelte Kraft, wie eine Art Laser…“

Maurice Béjart, Choreograph:
„Meister Elahi war ein aussergewöhnlicher Musiker. Er spielte niemals in der Öffentlichkeit oder nahm öffentliche Aufnahmen auf… Er spielte für mich, und etwas in mir öffnete sich. Durch Musik verstand ich… Er sprach kein Französisch, ich kein Persisch. Er spielte ein wenig Musik … und ich kann nicht in Worte fassen, was ich fühlte und erfuhr… es war eine große Veränderung in meinem Leben, meiner Existenz und meinem Denken.“

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